Kitty-Wu

acoustic alternativ pop

Weshalb sich die Band den Namen "Kitty Wu" gegeben hat, wissen auch die Mitglieder nicht - so die Erklärung die den gut vierzig Zuhörern gegeben wurde, die sich in Erwartung des ersten öffentlichen Auftritts der Band in der Bar des Wohnheims in der Sternenburgstraße versammelt hatten. Nicht von ungefähr war ein großer Anteil der Zuhörer Mathematikstudenten, gehen doch die fünf Bandmitglieder ebenfalls dieser Beschäftigung nach. So dürfte manch Leser die Bandmitglieder kennen: Nora Szech (Gesang, Gitarre), Nikolaus Schweizer (Klarinette, Gesang), Jan Meyberg (Kontrabaß, Trompete), Jakob Wachsmuth (Keyboard) und Oliver Lorscheid (Percussions - Conga und Tarbouka). Was mit der "Gründung" der Band Anfang 2002 begann, fand mit dem ersten Auftritt am 6. Dezember des Jahres einen ersten Höhepunkt. Etwa eine Stunde lang versetzten sie das Publikum mit selbstgeschriebenen Musikstücken in wachsende Begeisterung.

Kitty Wu - FlyerEs ist nicht ganz einfach, die Musik einer Kategorie oder einem bestimmten Stil zuzuordnen. Dei meist ruhige, melodisch-melancholische Musik wird gelegentlich von temporeichen, hektischen Passagen abgelöst, manchmal werden diese Instrumentalpassagen durch gesprochenen Text ergänzt. Die Liedtexte, zum überwiegenden Teil von Nikolaus Schweizer verfaßt, unterstreichen die durch die Musik hervorgerufenen melancholische, fast depressive Stimmung - handeln sie doch von den alltäglichen existenziellen Problemen des modernen Menschen im 21. Jahrhundert, von Beziehungsproblemen, der Langeweile des Alltags, von weißen Wänden, staubtrockenen Augen, ins Müsli tropfender Milch. Entsprechend programmatisch sind auch einige Titel: "Abschied vom Alltag", "Die Diktatur der weißen Wände", "Der große Schluck nach vorn". Wie die beiden letzten Titel (die alte marxistische und maoistische Schlagworte parodieren) vermuten lassen, entbehren die Texte auch nicht eines "Schluckes" Ironie. Die kurzen, humorvollen, teils lakonischen Zwischenmoderationen verstärkten diese Ironie und gaben der ganzen Veranstaltung einen leichten kabarettistischen Anstrich.

Vielleicht war es gerade die Spannung zwischen melancholischer Musik und dem hintergründigen Humor der Texte, die den Erfolg des Auftritts ausmachten. Deshalb war es bedauerlich, daß der Gesang von den Musikinstrumenten etwas übertönt wurde und die Texte so manchmal schwer verständlich waren. Möglicherweise war nicht nur die technische Ausrüstung und deren Abstimmung für die Tonqualität verantwortlich, sondern auch die spezielle Akkustik der Bar - die mit Eierkartons gedämmte Decke dürfte mittlerweile legendär sein. Der guten Stimmung konnten diese kleinen Unzulänglichkeiten keinen Abbruch tun, der Applaus wurde nach jedem Stück intensiver und nach zwei Zugaben wurde die Aufführung mit minutenlangem Applaus bedacht - von stehenden Ovationen zu sprechen ist vielleicht etwas vermessen, da die meisten Zuhörer schon während des Konzerts stehen mußten.

Wann ein nächster Auftritt stattfinden wird, steht noch nicht fest. Sollte der geneigte Leser demnächst ein Plakat oder einen Flyer diesbezüglich entdecken, bitte ich ihn, mir umgehend Bescheid zu sagen, denn das nächste Konzert möchte ich keinesfalls verpassen.

Veröffentlicht in:

HängeMathe Nr. 21

Januar 2003

Entstehungsdatum

Januar 2003

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